Projekte
Unsere Projekte in Haiti verbinden Bildung, Eigenverantwortung und nachhaltige Entwicklung. Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: Menschen langfristig zu unterstützen und ihnen Perspektiven für eine selbstbestimmte Zukunft zu eröffnen.
Durch den Zugang zu Bildung, beruflicher Ausbildung und die Stärkung der Eigenständigkeit möchten wir Kindern, Jugendlichen und Familien bessere Lebensbedingungen ermöglichen.
Die verschiedenen Projekte ergänzen sich gegenseitig und tragen dazu bei, nachhaltige Entwicklung statt kurzfristiger Hilfe zu fördern. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch – mit seinen Fähigkeiten, seinen Bedürfnissen und seinem Potenzial.
Unternehmerzentrum Mamoulé
Im Jahre 2019 stellten wir fest, dass insbesondere junge Menschen nur wenige berufliche Perspektiven hatten. Viele arbeiteten in der Landwirtschaft, verfügten jedoch weder über die notwendigen Mittel noch über das Wissen, um daraus eine nachhaltige Existenz aufzubauen.
Gleichzeitig beobachteten wir, dass ein großer Teil des Obstes und Gemüses aus der Dominikanischen Republik importiert wurde, obwohl Haiti über vergleichbare klimatische Bedingungen und fruchtbare Böden verfügt.
Aus dieser Beobachtung entstand eine Zentrale Frage: Warum sollte Haiti seine Bevölkerung nicht selbst versorgen können?
Diese Überlegungen führten zur Idee, in Mamoulé ein landwirtschaftliches Unternehmerzentrum aufzubauen – einen Ort, an dem Produktion, praktische Erfahrung und Wissensvermittlung miteinander verbunden werden.
Wir sind uns bewusst, dass ein einzelnes Projekt die Herausforderungen Haitis nicht lösen kann. Unser Ziel ist nicht, das Land zu verändern, sondern einen konkreten Beitrag zu leisten und aufzuzeigen, dass nachhaltige Entwicklung möglich ist.
Wir möchten Menschen ermutigen, neue Wege zu gehen, vorhandene Ressourcen zu nutzen und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Mit dem Unternehmerzentrum Mamoulé wollen wir ein Beispiel schaffen, das Wissen weitergibt, Perspektiven eröffnet und zeigt, dass eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Landwirtschaft in Haiti möglich ist.
Wie das französische Sprichwort sagt: « Petit à petit, l’oiseau fait son nid. » Schritt für Schritt entsteht etwas Beständiges. Genau daran glauben wir: Nachhaltige Veränderungen brauchen Zeit, Engagement und die Zusammenarbeit vieler Menschen
Das Unternehmerzentrum Mamoulé befindet sich in Mamoulé, in der Ortschaft Dilaire, und erstreckt sich über eine Fläche von fünf Hektaren. Es vereint landwirtschaftliche Produktion mit praxisnaher Ausbildung.
Das Zentrum basiert auf zwei Bereichen. Ein Teil des Landes dient der Ausbildung junger Menschen, die lernen möchten, ein landwirtschaftliches Unternehmen aufzubauen und selbstständig zu führen. Der andere Teil wird von einem lokalen Team bewirtschaftet.
Das Team besteht aus zwei Agronomen, zwei Technikern, sechs Arbeitern sowie einer Person, die für die Sicherheit zuständig ist. Die Agronomen leiten die landwirtschaftlichen Aktivitäten eigenständig und begleiten die Ausbildung der Teilnehmenden. Die Gesamtkoordination des Projektes wird von der Projektleitung sichergestellt.
Junge Menschen können ein eigenes Projekt im Bereich Landwirtschaft einreichen. Ihnen werden ein Stück Land, Wasser sowie die notwendige Grundausstattung zur Verfügung gestellt. Nach Prüfung und Genehmigung ihres Projekts setzen sie dieses unter fachlicher Begleitung um.
Die Teilnehmenden werden sowohl technisch als auch administrativ und finanziell begleitet. Ziel ist es, ihnen die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, um später selbstständig ein eigenes landwirtschaftliches Unternehmen führen zu können.
Die erzielten Einnahmen aus ihrer Produktion gehören den Teilnehmenden. Lediglich vorgestreckte Betriebsmittel, wie beispielsweise Saatgut, werden zurückerstattet.
Das Unternehmerzentrum Mamoulé verfolgt mehrere Ziele:
- Junge Menschen, die sich in der Landwirtschaft selbstständig machen möchten, zu unterstützen, auszubilden und ihnen die notwendige fachliche Begleitung anzubieten.
- Eine lokale, verantwortungsvolle und nachhaltige Produktion in Haiti möglich ist.
- Aufzuzeigen, dass eine erfolgreiche landwirtschaftliche Produktion in Haiti möglich ist.
- Den Konsum lokaler Produkte zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu reduzieren.
- Die Vermarktung lokaler Erzeugnisse zu fördern und damit die regionale Wirtschaft zu unterstützen.
- Arbeitsplätze zu schaffen und langfristige Perspektiven für die Bevölkerung zu entwickeln.
2020
- Erwerb des fünf Hektar großen Grundstücks in Mamoulé
- Rodung und Erschließung des Geländes
- Installation des ersten Containers
- Erste Brunnenbohrung und Bau der notwendigen Infrastruktur
- Anschaffung eines Motorrads für die Bewirtschaftung der Farm
2021
- Teilweise Einzäunung des Grundstücks
- Installation eines zweiten Containers
- Pflanzung der ersten Obstbäume
2022
- Erweiterung der Obstbaumkulturen
- Ausbau der Infrastruktur
- Zweite Brunnenbohrung
- Installation von Wasserspeichern
- Beginn des Gemüseanbaus
2023
- Weiterentwicklung der landwirtschaftlichen Produktion
- Installation des Eingangstores
2024
- Installation des Bewässerungssystems
- Installation eines dritten Containers
- Bau einer Verkaufshalle
- Einführung der Wurmkompostierung
2025
- Aufnahme der ersten beiden Unternehmerpraktikanten
- Vollständige Einzäunung des Grundstücks
- Einführung der Imkerei
- Übergang von der traditionellen zur syntropischen Landwirtschaft
Die Weiterentwicklung des Unternehmerzentrums Mamoulé verfolgt das Ziel, ein echtes Modell für nachhaltige landwirtschaftliche Produktion in der Region zu werden.
In den kommenden Jahren soll das Projekt weiter ausgebaut werden. Neben dem Gemüseanbau und den Obstkulturen wird die Tierhaltung schrittweise integriert. Geplant sind die Haltung von Legehennen, die Aufzucht von Masthähnchen sowie die Ziegenzucht, um die landwirtschaftliche Produktion weiter zu diversifizieren.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung der Ausbildungsmöglichkeiten. Das Unternehmerzentrum soll sich zunehmend zu einem Ausbildungs- und Kompetenzzentrum für syntropische Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft entwickeln und jungen Menschen praxisnahes Wissen vermitteln.
Zudem ist der Bau einer Residenz vorgesehen. Diese soll es Praktikantinnen und Praktikanten, Mitarbeitenden sowie Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, direkt vor Ort zu wohnen, zu lernen und zu arbeiten. Dadurch sollen der Wissensaustausch und die Begleitung der Ausbildung weiter gestärkt werden.
Ein wichtiges Anliegen ist zudem die langfristige Sicherung des Projektes. Deshalb ist die Gründung einer Stiftung vorgesehen, die die Kontinuität und Nachhaltigkeit des Unternehmerzentrums gewährleisten soll. Ziel ist es, eine Struktur zu schaffen, die das Projekt langfristig trägt und weiterentwickelt – unabhängig davon, welche Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt dafür verantwortlich sind.
So soll Mamoulé Schritt für Schritt zu einem Ort werden, an dem Produktion, Ausbildung, Innovation und Wissensvermittlung miteinander verbunden werden.
Schule „Le Bon Berger“Saillant
Die Schule „Le Bon Berger“ wurde 2015 von Diomette Jean Rodlin gegründet. Ursprünglich entstand sie mit dem Ziel, dem Analphabetismus unter Erwachsenen entgegenzuwirken. Mit der Zeit wurde jedoch deutlich, wie dringend die Unterstützung der jüngeren Generation war. Das Projekt entwickelte sich deshalb zu einer Grundschule mit Vorschulbereich und bietet heute vielen Kindern in dieser abgelegenen ländlichen Region Zugang zu Bildung und neue Zukunftsperspektiven.
Wir sind überzeugt, dass jedes Kind – unabhängig von seinem Geburtsort und den Lebensbedingungen seiner Familie – das Recht auf Bildung hat. Die Schule „Le Bon Berger“ soll ein Ort des Lernens, der Entwicklung und der Hoffnung sein und sich langfristig zu einer tragenden Säule für die gesamte Gemeinschaft entwickeln.
Die Schule Le Bon Berger befindet sich in Saillant, einer abgelegenen ländlichen Ortschaft im Nordosten Haitis. Sie ist heute weit mehr als ein Ort des Lernens: Sie stellt für viele Kinder und ihre Familien einen wichtigen Ankerpunkt innerhalb der Gemeinschaft dar.
Die Lebensbedingungen vieler Familien sind prekär, und zahlreiche Eltern verfügen nur über sehr begrenzte finanzielle Mittel. Die schwierige soziale und wirtschaftliche Realität erschwert eine regelmäßige schulische Begleitung der Kinder und wirkt sich direkt auf ihren Bildungsweg aus.
Seit 2021 hat sich unsere Zusammenarbeit mit der Schule kontinuierlich verstärkt. Aus einer anfänglichen Unterstützung entwickelte sich eine enge Begleitung des Projekts, die heute weit über den eigentlichen Schulunterricht hinausgeht.
Neben der Bildung stehen die Begleitung der Kinder und ihrer Familien, das Patenschaftsprogramm, die Ernährungsunterstützung sowie die kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur im Mittelpunkt unseres Engagements.
Gleichzeitig arbeiten wir daran, die pädagogische Qualität der Schule weiter zu stärken. Der Aufbau eines stabilen, engagierten und qualifizierten Lehrerteams ist dabei eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung der Schule.
- Kindern einen dauerhaften Zugang zu Bildung ermöglichen.
- Ein sicheres und würdiges Lernumfeld schaffen.
- Die Entwicklung der Kinder ganzheitlich fördern.
- Hunger als Hindernis für erfolgreiches Lernen bekämpfen
- Die Schule langfristig als Bildungszentrum für die Gemeinschaft stärken.
Schritt für Schritt konnten bereits wichtige Verbesserungen umgesetzt werden. Dazu gehören der Ausbau der Patenschaften, die Einführung eines täglichen warmen Mittagessens, der Bau von Sanitäranlagen, die Erweiterung der Küche und die Schaffung zusätzlicher Lagermöglichkeiten. Gleichzeitig ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler kontinuierlich gestiegen.
Trotz der positiven Entwicklung bleibt der Alltag von großen Herausforderungen geprägt. Die geografische Isolation, die schwierigen Verkehrswege, die fehlende Wasserversorgung, die begrenzte Infrastruktur und die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Familien erschweren den Schulbetrieb erheblich.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, qualifizierte Lehrkräfte langfristig an die Schule zu binden. Aufgrund der abgelegenen Lage kommt es immer wieder zu Personalwechseln. Der Aufbau eines stabilen, engagierten und qualifizierten Lehrerteams ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung der Schule.
Unser Ziel ist es, die Schule langfristig zu einem stabilen Bildungszentrum auszubauen und zu einer tragenden Säule für die Gemeinschaft von Saillant werden zu lassen.
Zu den Prioritäten gehören die Sicherstellung einer nachhaltigen Wasserversorgung, die Installation eines an die Bedürfnisse der Schule angepassten Energiesystems, die Erweiterung der Infrastruktur sowie der Bau eines dauerhaften Schulgebäudes.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der pädagogischen Entwicklung der Schule. Dazu gehören die Rekrutierung, Begleitung und langfristige Bindung qualifizierter Lehrkräfte. Ziel ist es, ein stabiles, engagiertes und kompetentes Team aufzubauen, das den Kindern eine qualitativ hochwertige Bildung ermöglicht.
Zudem soll die Schule weiterhin wachsen, mehr Kinder aufnehmen und neue Partnerschaften aufbauen, um ihre langfristige Stabilität zu sichern.
Schritt für Schritt soll sich die Schule Le Bon Berger zu einem nachhaltigen Bildungszentrum entwickeln, das den Kindern und der gesamten Gemeinschaft von Saillant langfristige Perspektiven eröffnet.
Mikrokredite – Hilfe zur Selbsthilfe
Mit unserem Mikrokreditprogramm unterstützen wir junge Haitianerinnen und Haitianer, die sich eine berufliche Zukunft aufbauen möchten, aber nicht über das notwendige Startkapital verfügen. Wir gewähren zinslose Mikrokredite und vereinbaren gemeinsam einen angemessenen Rückzahlungszeitraum. Ziel ist es, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, selbstständig und nachhaltig eine eigene Existenz aufzubauen. Unterstützt werden beispielsweise Projekte in der Landwirtschaft oder kleine Verkaufsbetriebe.
Containertransporte nach Haiti
Über viele Jahre haben wir Hilfsgüter in Containern nach Haiti verschickt. Dazu gehörten unter anderem Nahrungsmittel sowie Material für Schul- und Infrastrukturprojekte. Aufgrund der stark gestiegenen Transportkosten seit der Covid-Pandemie sowie der schwierigen Sicherheitslage und der komplizierten Zollabwicklung ist dieses Projekt derzeit ausgesetzt. Der Transport des letzten Containers war mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden. Deshalb konzentrieren wir uns momentan auf andere, direktere und nachhaltigere Formen der Unterstützung vor Ort.
Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte
In Zusammenarbeit mit Partnerschulen, Partnerorganisationen sowie privaten Unterstützerinnen und Unterstützern konnten in Haiti zahlreiche Entwicklungs- und Infrastrukturprojekte verwirklicht werden. Dazu gehören der Bau einer landwirtschaftlichen Schule, mehrere Klassenräume, einer Bibliothek, eines Labors, einer Schutzmauer und sanitärer Anlagen sowie die Installation von Solaranlagen, Bewässerungssystemen, Brunnen und Zisternen.
Viele dieser Projekte entstanden durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Belgien und Haiti. Insbesondere im Rahmen der Partnerschulprojekte arbeiteten belgische Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit haitianischen Fachkräften und Jugendlichen vor Ort zusammen. Andere Projekte wurden direkt in Haiti umgesetzt und finanziell von belgischen Unterstützerinnen und Unterstützer begleitet.
Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Haiti und der gestiegenen Transportkosten können Projekte, die eine direkte Beteiligung aus Belgien oder Materialtransporte aus Europa erfordern, derzeit nur eingeschränkt umgesetzt werden. Projekte, die unabhängig davon direkt vor Ort in Haiti realisiert werden können, werden weiterhin fortgeführt.
Jugendbegegnungen Haiti – Belgien
Von 2000 bis 2018 wurden im Zweijahresrhythmus dreiwöchige Begegnungsreisen für Jugendliche aus Belgien und Haiti organisiert. Ziel war es, den interkulturellen Austausch zu fördern, voneinander zu lernen und nachhaltige Beziehungen zwischen jungen Menschen beider Länder aufzubauen.
Während der Aufenthalte wurden Ferienanimationen und Aktivitäten für Kinder organisiert. Je nach Projekt wurden zudem Renovierungs- oder kleinere Infrastrukturarbeiten gemeinsam umgesetzt.
Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in Haiti können diese Begegnungsreisen derzeit nicht stattfinden. Sobald die Rahmenbedingungen es wieder zulassen, soll dieses wertvolle Projekt wieder aufgenommen werden.







