Engagement mit Wirkung

Albert Desenfants aus Elsenborn kehrte nach vier Wochen in Haiti zurück, wo er Schul- und Landwirtschaftsprojekte unterstützt. Sein Engagement fördert Bildung und Selbsthilfe in einem Land mit großen Herausforderungen.

Die Fastenzeit bietet nicht nur Gelegenheit zur Besinnung, sondern auch dazu, an jene Menschen zu denken, denen es am Nötigsten fehlt. Einer, der dies intensiv erlebt hat, ist Albert Desenfants. In den vergangenen Wochen konnte er erneut hautnah miterleben, wie schwierig der Alltag vieler Menschen in Haiti ist. Er engagiert sich seit Jahren für die Haiti-Hilfe und kehrte nun von einem vierwöchigen Aufenthalt in dem Karibikstaat  zurück.

Sein Engagement begann 2010, als Haiti von einem verheerenden Erdbeben erschüttert wurde. Als erfahrener Primarschullehrer in der Eifel sprach Albert Desenfants mit seinen Schülern über die Naturkatastrophe, wodurch der Kontakt mit Angelika Hoffmann zustande kam, die verschiedene Hilfsprojekte vor Ort unterstützt. Bereits 2011 reiste er erstmals mit ihr nach Haiti und seither folgten drei weitere Aufenthalte.

 

Aktuell setzt sich der Elsenborner mit der 2001 gegründeten Organisation „Haitï  Farnières“ für zwei zentrale Projekte ein: Schulpatenschaften und ein  Landwirtschaftsprojekt jeweils im Norden des Landes. Dank der Patenschaften aus unserer Großregion erhalten insgesamt 250 Kinder die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. „Mit einer Spende von 200 Euro pro Jahr kann eine Patenschaft übernommen werden, die es uns erlaubt, ein Kind für eine Schule einzuschreiben. Derzeit unterstützen wir damit zehn bis zwölf verschiedene Schulen“, erklärt er.

 

Allein in der DG haben 160 Menschen eine Patenschaft übernommen. Für viele  haitianische Familien stellt die Einschreibegebühr eine enorme Hürde dar, da das  durchschnittliche monatliche Einkommen pro Person bei umgerechnet nur rund 100 Euro liegt. Ohne Unterstützung wäre ein Schulbesuch für viele Kinder kaum denkbar.
Albert Desenfants fungiert als Vermittler zwischen den Spendern und der  Hilfsorganisation, die in Person von Angelika Ho!mann vertreten wird. Sie lebt seit 2012 vor Ort. Während seines jüngsten Aufenthalts nutzte er die Gelegenheit, rund 100  Patenkinder zu tre!en. Gemeinsam mit ihnen malte er Bilder und schrieb kleine Briefe, die an die Paten weitergeleitet werden: „Unser erstes Ziel ist es, den Kontakt zwischen Haiti und Belgien so lebendig wie möglich zu halten. Die Paten sollen nicht einfach nur Geld spenden, sondern eine echte Verbindung zu ihrem Patenkind aufbauen.“

 

Zudem unterrichtete er selbst an Schulen, etwa in Saillant und führte Weiterbildungen für Lehrkräfte durch – unter deutlich anderen Bedingungen als in Ostbelgien: „Die Schule besteht im Grunde nur aus Wellblech und der Unterricht ist oft wenig individuell. Wir versuchen, den Unterricht stärker zu personalisieren und auch  Unterrichtsunterlagen zu besorgen.“ Dabei sei es ihm jedoch wichtig, nicht als „weißer Besserwisser“ aufzutreten, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

 

Langfristig ist geplant, sich nach erfolgreichen Fortschritten aus den Projekten  zurückzuziehen und die angestoßenen Entwicklungen nachhaltig zu verankern. In einer Krankenstation sei dies bereits gelungen. Im Schulbetrieb gestalte sich dies jedoch schwieriger, da die Mittel für die Einschreibegebühren weiterhin fehlen.

Ähnlich wie bei der Krankenstation lässt sich auch das Landwirtschaftsprojekt nachhaltig umsetzen: „2020 haben wir ein Grundstück erworben, auf dem mittlerweile verschiedene Pflanzen angebaut werden. Dort sind zehn Haitianer beschäftigt, die mit
Spendengeldern unterstützt werden und lernen, wie sie das Unternehmen eigenständig führen können. Das Ziel ist, dass sich der Betrieb langfristig durch den Verkauf der Lebensmittel selbst finanziert“, sagt er.

Die Lebensmittelindustrie Haitis ist derzeit stark von der benachbarten Dominikanischen Republik abhängig – nicht zuletzt aufgrund der schwierigen politischen Lage. Viele Hilfsorganisationen meiden die Hauptstadt Port-au-Prince, da dort kriminelle Banden
die Machtverhältnisse bestimmen. Im ländlichen, sehr armen Norden hingegen sieht der Elsenborner großes Potenzial für Entwicklung: „Die Haitianer sind unglaublich fleißig und strahlen eine Lebensfreude aus, die wir uns kaum vorstellen können. Zudem ist erkennbar, dass junge Menschen o!en für Veränderungen sind, was eine hervorragende Grundlage schafft.“

Die Unterstützung aus Ostbelgien beschreibt Albert Desenfants als beeindruckend: „Es ist großartig zu sehen, mit welcher Bereitschaft die Menschen in unserer Region  spenden. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass sie sicher sein können, dass ihr Geld direkt ankommt – und mit 200 Euro kann man dort enorm viel bewirken.“ Wer sich für eine Patenschaft oder eine Spende interessiert, kann sich bei Albert Desenfants unter albert.desenfants@gmail.com melden.